VerlagLiterarische Stadtpläne
Literarische Führungen auf Hiddensee,Verlag Jena 1800 - Literarische Reisebücher und Stadtpläne, Hiddensee Bücher & Literarische Führungen mit Ute Fritsch auf Hiddensee, in Jena/Weimar und Ahrenshoop
in Jena/Weimar und Ahrenshoop
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Dichter, Philosophen und Gelehrte - Wohnorte, Wirken und Werke
Wo die Liederbrüder Brentano und Arnim an der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn" arbeiteten, Eichendorff liebte, Hebbel dichtete, Goethe Marianne von Willemer ein Ginkgoblatt brach, Lenau logierte, Reuter zechte, Keller die Vorlesungen des „himmelsstürmerischen Philosophen" Feuerbach hörte, Twain wohnte, Bloch und Zuckmayer sich gegenseitig als Karl-May-Spezialisten prüften, George ein „Seelenfest" veranstaltete, Curtius Prousts Werk bekanntmachte - wo Frieda Fromm-Reichmann ein Sanatorium für Psychotherapie leitete, Marianne und Max Weber zum sonntagnachmittäglichen Jour fixe einluden, Karl Jaspers lehrte und sich die Lieblingscafes von Kurt Wildhagen befanden - das und mehr erfahren Sie in dieser Topographie des Geistes von Heidelberg.
Mit der historischen Stadtkarte von 1927 und dem aktuellen Innenstadtplan kann jeder Heidelberg-Liebhaber einen Streifzug auf den Spuren der hier versammelten 62 Persönlichkeiten unternehmen und ihre Wohn- und Schaffensorte entdecken.
Der Plan enthält außer den zum Teil neu recherchierten Wohnadressen ein lebendiges Kurzporträt der Heidelberger Zeit dieser Persönlichkeiten und Zitate aus Briefen und Gedichten, sowie eine Übersicht über die hier entstandenen Werke.
„AUF HIDDENSEE`SCH LEBEN WIRD DAS WAHRE LEBEN!“
Sommerhaus in Vitte und einen großen Traum: Auf seiner geliebten Insel will er mit Menschen, die den gleichen „Hiddenseer Sinn“ haben wie er, ein geistiges NEUHIDDENSEE gründen: „Ich hab hier beisammen gefunden, was ich ewig suchte: „Natur, Frieden, Freiheit! … . Jeden Sommer finden wir hier eine Gemeinde Gleichgesinnter wieder . . . aus der Alltäglichkeit heraus … wo die Mode ihren Tamtam schlägt und das Geld der Gott ist.“ Menschlich zusammenleben und wachsen in Freiheit und Schönheit, miteinander Poesie- und Musikabende verbringen, das ist seine Vorstellung. Er hofft, dass sein Neffe Alfred, ein Maler, sich „in die Insel der Inseln“ verliebt und so vielleicht psychisch gesundet: „In Hiddensee stecken Wunderkräfte!“ Die junge träumerische Stella soll hier zur Dichterin reifen. Doch da gibt es noch den Lebemann und Verführer Ottokar, die strengmoralische Frau Therese, den naiven Sonderling Kaspar und die griechische Schönheit Lisa. – Auf den Spaziergängen zum Leuchtturm, auf dem Dornbusch, an der Nordküste, in der Heide und vor allem in Zusammentreffen der unterschiedlichsten Charaktere passieren ungeheuerliche Dinge, die in der „Tragödie von Hiddensee“ enden.
Dieser älteste Hiddensee–Roman ist heute eine vielen unbekannte Rarität. Vor 100 Jahren geschrieben, nimmt er alle Ur-Hiddensee-Themen vorweg: das Andersfühlen auf der paradiesischen Insel, die Kunstabende („die gehören doch zu Hiddensee!“), die Hoffnung auf Seelenfrieden in der Stille und die hier gefundene künstlerische Inspiration. Es ist aber auch eine literarische Darstellung des uralten Traums vom besseren Menschen und eine erste kritische Auseinandersetzung mit Fehlinterpretationen von Nietzsches Philosophie.
Der Rostocker Schriftsteller Adolf Wilbrandt (1837-1911), zu Lebzeiten gefeierter Dramatiker, u.a. Direktor des Burgtheaters Wien, beschreibt die besondere Stimmung der Insel mit tiefster Seelenliebe, aber auch mit genauer Ortskenntnis. Er zeichnet in einer dramatischen Sprache kraftvolle, leidenschaftliche Charaktere, mit denen man mitfühlt.
Der Roman gibt ein anschauliches Bild von Hiddensee, wie wir es auch heute noch lieben: „… diese schlanke Insel, die so alles beisammen hat, die wilden und die milden Ufer, das Öde und das Liebliche ist so eine Welt für sich! Da gibt`s keine gepflasterten Straßen, keine Kraftwagen; alles wie vor hundert oder tausend Jahren.“ Er drückt aber auch schon 1910 (!) die Befürchtung aus, die Insel würde ihren ursprünglichen Zauber verlieren, eine „Modesache“ sein, von Gästen „überschwemmt“ und zu sehr „modernisiert“ werden.
Dieser Inselschmöker und erster Hiddensee-Künstlerroman ist eine Freude für alle Inselliebhaber und unbedingt eine Wiederentdeckung wert!
Dem Romantext hat die literarische Inselführerin Ute Fritsch historische Fotos und Bilder, genau passend zu den Schauplätzen, beigegeben und kommentiert. So kann man gut auf einen Inselspaziergang im Jahre 1910 gehen.