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Es gab viel gute Presse letzter Zeit über die Führungen mit Ute Fritsch auf Hiddensee

zuletzt TAGESSPIEGEL 26.9., Reiseteil: "Ringelnatz mit Sandornschnaps" von Hanne Bahra
im Juli/August 2010 Artikel in
"Berliner Zeitung", "Frankfurter Rundschau", "Schweriner Volkszeitung", Kölner Stadtanzeiger", dpa-Meldungen,Märkische Oderzeitung
auch unter inselnachrichten.de ("Literatur-Events mit Ute Fritsch", August 2010)

(Texte später)

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Ute Fritsch stellt zur Leipziger Buchmesse Publikationen aus ihrem Verlag Jena 1800 vor

von OTZ-Redakteurin Sabine Wagner

„Unsere Nachbarschaft in Hiddensee war etwas ärgerlich, weil Hauptmann doch der König von Hiddensee war... Wir wohnten im Haus am Meer, seinem Haus, hatten aber mit den übrigen Gästen im Speisesaal zu essen und bekamen sehr mäßiges Essen, wohingegen Hauptmann köstliche Speisen auf die Zimmer hinaufgetragen wurden. Das Ganze war etwas verdrießlich", notiert Katia Mann über den Aufenthalt der Familie Mann auf Hiddensee 1924.
Thomas Mann arbeitet seinerzeit am „Zauberberg". Ob er sich wie seine Frau über die bevorzugte Behandlung Gerhard Hauptmanns mokiert hat, ist nicht überliefert. Allerdings findet sich Haupt¬mann in Manns „Zauberberg" wieder - karikiert in der Figur des Mynheer Peeperkorn. Er wettert: „Diesem idiotischen Schwein soll ich gleichen?"
Nur eine von vielen Erinnerungen an die Sonneninsel Hiddensee, die ab 1910 von Dichtern und Denkern, Malern und Mimen als Rückzugsort und Wirkungsstätte bevorzugt wird.
Auf den Spuren der Manns und Albert Einsteins, von Joachim Ringelnatz und Günter Grass, von Asta Nielsen, Gret Palucca oder Mascha Kaleko

Dort kam man auf vogelfreie Gedanken. Von dieser Trauminsel aus öffnete sich uns zumindest der Horizont. Ein Nahziel mit Fernblick.
Günter Grass in „Ein weites Feld"

wandelt die Verlegerin Ute Fritsch in ihrer „Künstlerkarte Hiddensee". Erschienen in ihrem Eine-Frau-Verlag „Jena l800", wird sie diese Publikation in zweiter erweiterter Auflage ab 12. März auf der Leipziger Buchmesse vorstellen. Und weil Ute Fritsch eine ganz große Liebe mit dem „geistigsten aller deutschen Seebäder" verbindet, präsentiert sie zudem mit „Hiddensee" von Adolf Wilbrandt den ältesten Insel-Roman von 1910 als Neuauflage - ergänzt durch historische Bilder zu

den Schauplätzen. Verlegerin will die gebürtige Jenenserin ursprünglich nicht werden. Ihre Favoriten sind die Romantiker, Hölderlin vor allem. Nach dem Deutsch- und Geschichtsstudium in Jena und Leipzig arbeitet sie im Kulturamt ihrer Heimatstadt, bekommt von der Hölderlin-Gesellschaft den Auftrag, eine Ausstellung über den Dichter zu konzipieren. Zusätzlich zu dieser Schau sucht sie Hölderlins Wirkungsstätten auf, organisiert Führungen, entdeckt die erste Wohnung Hölderlins in Jena. Bei ihren Recherchen trifft sie auf andere große Geister, erweitert ihre Exkurse und bietet literarische Stadtführungen zum Beispiel zu Schiller oder Goethe an.
Wer hat wann wo gelebt? Diese Fragen werden ihr oft gestellt. Ute Fritsch kommt auf die Idee, einen literarischen Stadtplan heraus zu geben - im eigenen Verlag, den sie Jena 1800 nennt. 1996 meldet sie ihr Gewerbe an. „Schillers Jena" erscheint, „Klassisches Weimar", „Literarisches München", „Filmstadt Berlin". Die Resonanz ist groß, mittlerweile hat sie

26 Bücher, zwei Faltpläne, Plakate veröffentlicht, die auf den Spuren der Künstler durch halb Europa führen -von London über Paris bis St. Petersburg. Hinzu kommen Publikationen wie „Weimar als politische Kulturstadt" oder das Kinderbuch mit CD „Der Löwe", ein Gute-Nacht-Lied von Norbert Leisegang mit zauberhaften Illustrationen von Martha.
Neben ihrer Verlags-Arbeit, die sie mit einer Graphikerin allein bewältigt, bietet die heute 42-Jährige weiter literarische Stadtführungen an, ab Ostern in ihrer Heimatstadt Jena und in Weimar, ab Mai und im Sommer auf Hiddensee. Für ihre poetischen Wanderungen mit Geschichten und Gedichten recherchiert Ute Fritsch in Archiven, wälzt Bücher, spricht mit Einheimischen und lässt sich immer wieder Neues einfallen: „Hiddensee nämlich ist mehr als eine Reise wert."
In der Reihe „Leipzig liest" stellt Ute Fritsch am Sonntag, 15.3., 16 Uhr, den Hiddensee-Roman und die Künstlerkarte auf dem Messegelände, Halle 5, vor.
»www.jena1800.de und » www.literarisch-reisen.de

"Ostseezeitung" vom 28. März 2009

„Hier ist es hübsch - hier bin ich Mensch"

Die Stadt der Poeten und Philosophen: Ein literarischer Reisebegleiter durch Paris

VON UNSERER REDAKTEURIN DAGMAR GILCHER

„Der einzige, der wahre Souverän von Paris ist der Spaziergänger, der Flaneur", sagt Andre Bazin, der Meister der literarischen Filmkritik, und Walter Benjamin meinte gar, Paris habe „den Typ des Flaneurs" geschaffen. Es war einmal? Mitnichten. Auch an einem hektischen Spätnachmittag des Jahres 2003 kann man in einer völlig überfüllten Metro einem Menschen begegnen, der eingeklemmt in der Menge, seinen Geist flanieren lässt. Charles Baudelaires „Blumen des Bösen" sind die Lektüre des jungen Flaneurs. Paris ist eben immer noch die Stadt der Poesie, Schauplatz der Weltliteratur und Ort für literarische Philosophien.
Mittlerweile sind es allerdings weniger die jungen Literaten, die flanieren, sondern Besucher auf den Spuren der Größen von einst, von Victor Hugo zum Beispiel, dessen ehemalige Wohnung an der Place des Vosges ein heute viel besuchtes Museum ist. Aber die Stadt Paris hat nicht nur Pariser und Franzosen aus der Provinz zu literarischen Meisterwerken inspiriert, sondern auch nicht wenige Engländer, Amerikaner und Deutsche angelockt. Es ist wohl kaum möglich, sie alle vollständig aufzuzählen und ihnen an ihre Wohn- und Aufenthaltsorte zu folgen. Lutz Hermann, RHEINPFALZ-Korres-pondent in Paris, hat sich auf Spurensuche begeben, 80 Dichter, Schriftsteller und Philosophen ausgewählt und sie in einem literarischen Reisebegleiter veröffentlicht, der jedem Leser ermöglicht, ebenfalls zum Flaneur zu werden. Zwei Stadtpläne, ein historischer aus dem Jahr 1900 und ein moderner, ergänzen die Dichterporträts die Beschreibung ihrer Wirkungsstätten, ob es sich um Wohnungen handelt oder erklärte Lieblingsorte wie das Cafe des Flores, das Cafe „Aux deux Magots", die „Closeries des Lilas", die Brasserie Lipp: Namen, die per se schon zu Poesie geworden sind.

Paris verwandelt die Menschen: „Hier ist es hübsch/ Hier kann ich ruhig träumen/ Hier bin ich Mensch/ Und nicht nur Zivilist/ Hier darf ich links gehen/ Unter grünen Bäumen/ Sagt keine Tafel/ Was verboten ist", schreibt der sonst so bitter satirische Kurt Tucholsky, dessen erster Weg in Paris ans Grab von Heinrich Heine auf dem Friedhof von Montmartre führte. Auf dem anderen großen Friedhof, dem Pere Lachaise, ruht Heines Landsmann und Widersacher Ludwig Borne. Auch Walter Benjamin, der Paris zur Hauptstadt des ig. Jahrhunderts kürte, ist ein Kapitel gewidmet.
Wer aber weiß schon, dass Rainer Maria Rilke von 1902 an zwölf Jahre in -Paris- verbrachte und Privatsekretär des Bildhauers Auguste Rodin wurde. Oder dass Literaturnobelpreisträger Günter Grass in den 50er-Jahren in einer Hinterhofwohnung im 13. Arron-dissement die „Blechtrommel" schrieb. Grass und Francoise Sagan sind die beiden einzigen lebenden Autoren in dieser Auswahl, in der - für Deutsche vielleicht überraschend -auch Francois Mitterrand auftaucht. Aber Frankreich hat eine Reihe von schriftstellernden Politikern oder politisierenden Schriftstellern (auch Andre Malraux fehlt nicht) hervorgebracht und soeben gerade einen Ex Präsidenten in die Academie Francaise aufgenommen.
Der „Dichter-und-Denker-Stadt-plan" von Paris ist eine Fundgrube für Paris-Liebhaber - und der Beweis, dass aus kleinen Verlagen wie dem Berliner Jena Verlag oft wunderbare Bücher kommen (auch St. Petersburg, Zürich, München oder Berlin kann man so literarisch erkunden).

LESEZEICHEN
- Lutz Hermann: Literarisches Paris, 80 Dichter, Schrifisteller und Philosophen - Wohnorte, Wirken, Werke; 132 Seiten, Verlag Jena 18oo, Berlin 2003, 14,80 Euro.